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RĂŒckschau

GrĂŒndung des Katholischen Gesellenvereins in Horst-Emscher

Schon kurz nach dem Tode Adolph Kolpings gab es erste GesprĂ€che in Horst-Emscher einen Gesellenverein zu grĂŒnden, nach einer Probezeit war es 1870 endlich soweit. Der erste PrĂ€ses war Pfarrer Lenfert.

Im Hause Berghorn an der Essener Straße fand dann die erste offizielle Versammlung statt. (Heute an einer Platte mit der Aufschrift: „Hier wurde 1870 der Katholische Gesellenverein gegrĂŒndet“ erkennbar).

In Horst-Emscher gab es zu damaliger Zeit etwa 100 WohnhĂ€user und etwas mehr als 1000 Einwohner. Die Zeche Nordstern war gerade abgeteuft und bot vielen MĂ€nnern Arbeit. Die Bergarbeiter hatten sich schon zum Knappenverein, heute KAB, zusammengeschlossen. Auch diese GrĂŒndung wurde durch Pfarrer Lenfert begleitet.

Mit Kaplan Weining wurde in den Jahren bis 1900 ein Kolpinghaus gebaut. Nun bestand eine Unterkunft fĂŒr wandernde Gesellen und gleichzeitig ein Treffpunkt fĂŒr die Pfarrgemeinde St. Hippolytus. Die BlĂŒtezeit des Gesellenvereins begann und war aus dem gesellschaftlichen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Kontakte zu Brudervereinen wurden ebenso gepflegt wie die Teilnahme an Weiterbildungskursen gefördert. Eine Theatergruppe fĂŒhrte ĂŒber viele Jahre hindurch unterschiedliche StĂŒcke erfolgreich auf.

Meine letzten GetreuenIm August 1914 brach der erste Weltkrieg aus. Fast alle Mitglieder wurden eingezogen. Eine schwere Zeit begann. Das Vereinsleben kam fast zum Stillstand. Im Bild vom 7. Februar 1915 vor dem Kolpinghaus spricht PrÀses Eickelmann von seinen letzten Getreuen.

Der kurz vorher gebaute kleine Saal diente dem Roten Kreuz als Reservelazarett. Nach dem Krieg musste der Gesellenverein wieder von vorne beginnen. Unter EhrenprÀses  Dechant W. Wenker wurde Vikar Holle 1919 der neue PrÀses.

1920 konnte dann das 50-jĂ€hrige JubilĂ€um gefeiert werden. Ein großer Handwerkszug marschierte durch die Straßen von Horst-Emscher. Eine große Anzahl von Brudervereinen bezeugte die Zusammengehörigkeit der GesellenbrĂŒder in Stadt und Land.

Es folgte wiederum eine schwere Zeit: Die Inflation kam mit verheerenden wirtschaftlichen  Folgen. Französische Soldaten besetzten den großen Saal des Kolpinghauses.

Das 25-jĂ€hrige Bestehen des Kolpinghauses konnte im Beisein des ehemaligen PrĂ€ses begangen werden. 1926 grĂŒndete sich eine SchĂŒtzengilde, diese bestand bis in die Sechziger Jahre. Der letzte SchĂŒtzenkönig wurde Alfons Lampferhoff, seine Königin Ursula SchĂŒrmann.

Ende der 20er Jahre leistete die Theaterabteilung hervorragende Arbeit unter der Leitung von Josef Pogge. Beliebt waren die Zunftabende der Handwerkergruppen. In besonderer Weise wurde hier die Zusammengehörigkeit zwischen Meister und Gesellen gepflegt.

1929 wurde das neue Jugendheim und der Knappensaal eingeweiht. Wegen der wirtschaftlichen Notlage konnte das 60-jÀhrige Bestehen nur im kleinen Rahmen gefeiert werden. In Deutschland herrschten Arbeitslosigkeit und Armut.

In 1933 ĂŒbernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland. Bald schon begannen sie den Kampf gegen die kirchlichen Vereine. Viele wurden verboten, andere mussten ihre TĂ€tigkeit auf den rein kirchlichen Bereich beschrĂ€nken, so auch der Gesellenverein. Aus diesem Grunde erfolgte auch die Umbenennung in „Deutsche Kolpingsfamilie“.

Die SA besetzte einige RĂ€ume im Kolpinghaus und richtete dort eine Dienststelle ein. Alle sozialen Einrichtungen der KolpingbrĂŒder wurden zerschlagen. die berufliche Wanderschaft der Handwerker wurde verboten. Die handwerklichen Fachabteilungen wurden aufgelöst. Untersagt wurden fast alle gesellschaftlichen Veranstaltungen. Hitlers Politik fĂŒhrte in einen zweiten Weltkrieg und viele junge MĂ€nner mussten ihr Handwerkszeug gegen Stahlhelm und Gewehr eintauschen. In Horst hielt PrĂ€ses Bornefeld mit den daheimgebliebenen treu zum Kolpingwerk, obwohl es immer schwieriger wurde und manches Mal eine AbfĂŒhrung durch die GESTAPO riskiert wurde.

Am 23.11.1944 wurde beim Großen Bombenangriff auf Gelsenberg und Horst die Stadt und das Kolpinghaus vollkommen zerstört. Es gab viele Tote zu beklagen.

Hier wurde 1870 der katholische Gesellenverein Horst gegrĂŒndetNach Kriegsende begann in 1945 der Wiederaufbau. Schwierig war es, die notwendigen Materialien zu beschaffen. Dennoch: mit vereinten KrĂ€ften wurde der große Saal und das Haus wieder aufgebaut. Die Vereinsarbeit erlebte einen großen Aufschwung und so konnte mit einem Jahr VerspĂ€tung das 75-jĂ€hrige Stiftungsfest gefeiert werden. Zu diesem JubilĂ€um wurde durch den Schlossermeister Willi Walravens eine Plakette erstellt und am Haus Geenen, Essener Straße, angebracht.

Die Theaterabteilung erwachte zu neuem Leben. StĂŒcke wie:

Die Winzerprinzessin (Bild rechts),Die Winzerprinzessin
Im weißen Rössl,
Der FreischĂŒtz,
Der Meineidbauer,
Der verlorene Sohn
und andere standen auf dem Programm.

PrĂ€ses Blömer war die Gestaltung des monatlichen Programms ein großes Anliegen. Zudem wurden Kurse in Deutsch und Mathematik angeboten. Die Weiterbildung der jungen Menschen wurde intensiv gefördert. 1949 wurde der Kolping-Spielmannszug gegrĂŒndet, der viele Jahre erfolgreich das AushĂ€ngeschild der Horster Kolpingsfamilie war. Leider sind die aktiven Mitglieder der Musiker immer weniger geworden.

Kolping-SpielmannzugHeute ist mit einer kleinen Gruppe nur noch sporadisch ein Auftritt möglich. Ebenso existiert aus dem gleichen Jahr noch ein Kolping-Kegelclub „Treue Jungs“.

Im April 1953 wurden die SĂ€le des Kolpinghauses mit Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten belegt. Diese Beschlagnahme wurde 1954 wieder aufgehoben.

Im Wohnhaus haben in den Jahren 1948 bis 1956 zehn bis zwölf junge Kolpingsöhne gewohnt.

Mit der Einrichtung des Vereins: „Katholische Heimstatt e.V. St. Hippolytus“ wurde dieses Haus nach entsprechenden Umbauten durch die Zeche Nordstern, ab 1957 von Jungbergleuten bewohnt. 1962 wurde PrĂ€ses KĂŒppers nach Duisburg-Ruhrort versetzt und wurde Schifferpastor auf dem Kapellenboot St. Nikolaus.

Nachfolger als PrĂ€ses wurde Kaplan Theo HollĂ€nder, mit ihm verarbeiteten wir das Konzil  und die damit verbundenen VerĂ€nderungen in der katholischen Kirche. Im Juli 1967 wurde Kaplan HollĂ€nder in die bischöfliche Behörde nach Essen versetzt. Danach kam Kaplan JĂŒrgen Brandt als PrĂ€ses, gleichzeitig war er PrĂ€ses beim KKV, dadurch ergab sich zwangslĂ€ufig eine enge Zusammenarbeit. Nach seiner Versetzung nach Wattenscheid kam ein Jahr spĂ€ter Kaplan Wolpers nach St. Hippolytus. Er wurde ab September 1970 neuer PrĂ€ses der Horster Kolpingsöhne.

Theo Waterwiese, der schon seit 1959 VizeprĂ€ses der Kolpingsfamilie war, wurde nach einer SatzungsĂ€nderung im Kolpingwerk erstmals zum Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Horst-Emscher gewĂ€hlt. Er starb plötzlich im FrĂŒhjahr 1974. Im Mai wĂ€hlte die Mitgliederversammlung Hubert SĂ€ndker zum neuen Vorsitzenden. Ebenso in 1974 öffnete sich das Kolpingwerk fĂŒr Frauen. Bei uns wurden erstmalig 21 Frauen in die Kolpingsfamilie aufgenommen.

In den Jahren 1976 bis 1978 wurde das Kolpinghaus renoviert. Dies geschah zum großen Teil in Selbsthilfe. Entweder durch Spenden oder durch Mithilfe bei den anfallenden Arbeiten im und am Hause. Viele, insbesondere Jugendliche, haben hier tatkrĂ€ftig mitgeholfen. Es zeigte sich die gute Zusammenarbeit mit den Jugendgruppen. Diese Verbindung fĂŒhrte auch zu einem starken Mitgliederzuwachs bei der Jugend. Zwischenzeitlich war 1978 Kaplan Graffa als PrĂ€ses zu Kolping gekommen.Festwagen 1982

Traditionsfahne von 18701982 zur 700-Jahrfeier der Freiheit Horst war die Kolpingsfamilie mit zwei Festwagen am großen Handwerkerumzug durch die Straßen beteiligt. Die Traditionsfahne aus 1870 wurde restauriert und mitgefĂŒhrt.

FĂŒr den Ortsteil Gelsenkirchen-Horst war es ein großes Fest. Im Kolpinghaus fand zum Abschluss ein großer Handwerkerball statt.

FĂŒr die Bevölkerung in Deutschland brach eine Zeit der Protestwellen an. Die katholische Kirche wehrte sich gegen die Gesetze zur Legalisierung von Abtreibungen. Der Ruf verschiedener Frauengruppen „Mein Bauch gehört mir“ veranlasste die katholischen VerbĂ€nde zu SchweigemĂ€rschen in der Essener Innenstadt. Hieran beteiligte sich auch die Kolpingsfamilie Horst-Emscher. Die Kolpingjugend hat dazu vom 11.10.1984 bis 14.10.1984 eine Zeltaktion durchgefĂŒhrt. Seit dieser Zeit ist die Kolpingsfamilie Mitglied in der Aktion „FĂŒr das Leben“.

Pilgerreise RomSeit 1984 ist die Kolpingjugend fĂŒr das jĂ€hrlich durchzufĂŒhrende Ferienlager verantwortlich. Damit verbunden ist der Gedanke, den Jugendlichen die Ideen und Ziele Kolpings nĂ€her zu bringen. Dass es hierbei nicht nur bei dem Gedanken blieb, zeigt das Anwachsen der jugendlichen Mitglieder in unserer Kolpingsfamilie.

Fußball in der Kolpingsfamilie, selten, aber bei uns möglich. Bisher wurde noch kein Titel bei den Deutschen Meisterschaften errungen, aber dabei sein ist bekanntlich alles.

70.000 Kolpingfreunde pilgerten 1991 nach Rom wo der GrĂŒnder des Kolpingwerkes von Papst Johannes Paul seliggesprochen wurde.

Pilgerreise RomEine Gruppe aus Horst-Emscher (18 Personen) erlebte eine ergreifende Gemeinschaft mit Menschen aus allen LĂ€ndern der Welt. Zur Erinnerung an die Tage in Rom wurde im November 1991 in St. Hippolytus eine Kolpingplakette angebracht.

Im Jahre 1994 konnten wir letztmalig die Mitgliederversammlung im Kolpinghaus durchfĂŒhren. Die notwendige Finanzierung von erforderlichen Instandsetzungen war durch uns nicht zu tragen. Der gemeinsame Beschluss von Kolpingsfamilie und Kolpinghaus e. V. fĂŒhrte zur satzungsgemĂ€ĂŸen Übergabe an die Kirchengemeinde. Die erhoffte und vorgesehene Bebauung mit Altenwohnungen an gleicher Stelle konnte dann leider nicht realisiert werden. Ein schmerzlicher Verlust fĂŒr die Kolpingsfamilie. Die aus den Fenstern des Kolpinghauses geretteten Handwerkerwappen schmĂŒcken jetzt eine Wand im Saal des Pfarrzentrums.

Die Veranstaltungen der Kolpingsfamilie werden seit der Übergabe im Pfarrzentrum von St. Hippolytus durchgefĂŒhrt.

Mit dem Motto: „In der Gegenwart muss unser Wirken die Zukunft im Auge behalten“ konnte die Kolpingsfamilie 1995 ihr 125-jĂ€hriges JubilĂ€um begehen.

Ein solches JubilĂ€um gibt Anlass zur RĂŒckschau, zur Besinnung und zum Ausblick in die Zukunft. Kolping hat uns ein Programm gegeben, das nicht an eine bestimmte Zeit, nicht an eine bestimmte Gruppe von Menschen und auch nicht an ein bestimmtes Land gebunden ist. Wir sind Mitglied im großen Kolpingwerk, dass inzwischen in mehr als 50 LĂ€ndern der Erde vertreten ist.

Wir sind gefordert, unser Programm immer wieder an den Aufgaben der Zeit neu auszurichten. Der Ansatz Adolph Kolpings, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, ist heute so aktuell wie damals, Kolping war ein Mann der Tat, der zupackte, um Not zu lindern. Und daran wollen auch wir arbeiten.

FĂŒr die Kolpingsfamilie
Hubert SĂ€ndker

Treu Kolping

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